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Archive for Oktober 2010

Es ist irgendwie schön, wenn in unserer Einöde dann doch mal was los ist. Überregionale Gazetten und Rundfunkhäuser sind mit ihren Lohnsklaven vor Ort, um über meine Heimat zu berichten. Nun ja, der Grund ist nicht gerade erfreulich. Aber so ist es doch immer, wenns läuft und nix passiert, interessiert sich kein Krümel für den Lankreis Elbe-Elster. Nun gut, hier passiert ja sonst nichtmal was.

Ein Bild werde ich so schnell nicht mehr aus dem Kopf bekommen, das Glitzern brauner Flaschen im Flutlicht. Egal an welcher Stelle man gerade seinen Hilfsdienst anbot, scheinbar gehört der Schluck aus der Pulle, bzw. das Festhalten an einer, zum Ritual abendlicher Katastrophenstimmung. Während die verbliebenen Alkoholabstinenzler LKWs mit Sandsäcken durch die Gegend karrten, wurden die Staplerfahrer anscheinend in einem Losverfahren ausgewählt. An der Geschwindigkeit der Verladepraktik erkannte man, wie lange der jeweilige Bediener ohne den Genuß des Gerstensaftes bereits auskam. Je schneller er war, umso grösser war das Unterhopfungsrisiko. Geübte Emphaten reichten sogar das gelbe Glück Richtung Führerhaus. Der Rest der Helferbrigade stand im Eingangsbereich der einzigen beleuchteten Gebäude im Ort, dem Feuerwehrhaus. Alle kennens, „wie die Mücken zum Licht“. Nur zu sagen hatte keiner was. Das ist die Grunderkenntnis an diesem Abend. Hunderte aufopferungsvoller Schipper, Füller, Fahrer etc., aber ein akutes Führungsproblem.  Teilweise wurden gefüllte Sandsäcke in hochgradig gefährdeten Gebieten auf die Wiese gekippt. „Wer was braucht, kann sichs holen.“ Haha. Soll Oma Müller ihre Rollator also 22.30 Uhr mit Sandsäcken bestücken? Manche weigerten sich sogar, ihr Grundstück sichern zu lassen. Ob aus falscher Bescheidenheit, oder Erwartung etwaiger Versicherungsgewinne, bleibt unbeantwortet. Da verliert man die Lust, wenn die angebotene Hilfe nicht koordiniert wird. Hauptsache das Holsten ist vorrätig. Kleiner Tipp fürs nächste mal, so ein Event eignet sich ausgezeichnet dafür, den eigenen Haushalt mit Baumaterialien zu bestücken. Schippen, Säcke und Sand im Überfluss. Wer also vor hat zu bauen, wartet am besten auf die nächste Flutwelle. Und mit Lockangeboten in Form grüner Kästen bekannter Brauereien, findet sich bestimmt auch der ein oder andere Helfer, der das Werkzeug bedient.

Nächtens gings dann ab auf den Deich.  2 Stunden Streifenlauf mit Blick auf Sickerstellen. Die vorher versprochene Hinfahrt mit dem Feuerwehrmobil blieb aus. Naja, hätte man sich denken können. Siehe Braune-Flaschen-Problematik. Ausgestattet mit Taschenlampe begann der Spaziergang am Wasser. Und, ich habe den ersten freilebenden Biber meines Lebens gesehen. Leider hatte ich keinen Bogen dabei. Der Schwanzlappen würde sich hervorragend eignen, eingeschlafene Trunkenbolde zu wecken. Unter anderem den Feuerwehrautofahrer. Für mich erinnerungswert blieb in dieser Nacht eine Szene auf der Eisenbahnbrücke, die das Ziel darstellte.  Wer das Spiel „Medal of Honor“ kennt, weiß was ich meine. 4 Landser hocken bei Rotwein aus der Flasche am Geländer rum, und müssen eliminiert werden. Dieses Bild stellte sich zur Schau. Dass bei einer späteren, amateurhaften  Anschleichübung der einzige vorhandene Soldat zuerst „fiel“, bleibt unerwähnt. Am Ende wurde zuerst drauf geachtet, dass alle ausgebenen Taschenlampen wieder in Besitz des Feuerwehreigentums waren, etwaige Schadensberichte vom Deich wurden mit einem „Ist bekannt.“ quitiert. Schön, dass man mal darüber gesprochen hat. Während die Ablösung den Rucksack mit Hopfenblütentee bestückte, sah man sich schon friedlich im Bett schlummern. Der heranbrausende, blauchlichternde Notfallwagen wurde gekonnt ignoriert. Sowie die kurze zeit später schellende Sirene. Sollen sich doch die Menschen aus den Eingangsbereichen dieser einzigen beleuchteten Gebäude im Ort drum kümmern. Oder jemand, der sich damit auskennt.

Und da nicht viel passiert ist, war dies anscheinend der Fall.

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