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Archive for August 2011

London Calling.

So langsam bekommt man Mitleid. Obwohl, na ja, mit den falschen Leuten. Als Sozialkasper und „Gutmensch“ liegt es mir fern, auch nur einen Funken Schnittmenge mit diesen Menschen zu haben. Es geht um eine Regierungspartei, deren Umfragewerte irgendwo da liegen, wo man mein Risiko, irgendwann mal von einem T-Rex gefressen zu werden, ansiedeln würde. Bei 3 %.

Ich weiß nicht ob es an kognitiver Dissonanz, Frechheit, dem Sinn nach Provokation oder dem masochistischen Willen die eigene Gruppierung in den Äther zu blasen liegt, wenn angesichts der Weltereignisse die Forderungen laut werden, den Sozialstaat noch weiter zu schröpfen. Diesmal geht es um die Forderung, älteren Arbeitnehmern das Arbeitslosengeld I zu kürzen.

In Israel gehen die Menschen auf die Strasse, weil sie die Mieten und Lebenserhaltungskosten für unerhört halten. In Spanien und Nordafrika geht die Jugend auf die Strasse weil sie sich abgehängt fühlen und trotz sehr guter Bildung keine Perspektive hat. In London radikalisieren sich Frustrierte, die ausser Krawall noch andere Dinge antreibt. Es ist der Wunsch nach Teilhabe. Nicht umsonst gehen diese Strassenkämpfe mit Plünderungen einher. Konsumgüter, die ständig als nicht mehr verzichtbar angepriesen werden, sind dabei die Favouriten. Merton hat dies in seiner Anomie-Theorie schon bildhaft als „Innovation“ dargelegt. Nun tritt genau das ein. Und wer meint, jetzt muss nur der Knüppel rausgeholt werden, der verkennt die Problematik. Diese Leute wollen damit etwas zum Ausdruck bringen. Die Mittel sind natürlich absolut abzulehnen, aber scheinbar die Einzigen, um sich Gehör zu verschaffen. Wer beachtet denn einen stillen Demontrationszug? Nur mit kriegsähnlichen Zuständen schafft man es heutzutage aufs Titelblatt. Ich bedauere das zutiefst, denn von der Politik ist so keine Dialogbereitschaft zu erwarten. Wie gesagt, es spricht der Schlagstock. Benutzt von denen, die immer die ärmsten Schweine sind. Auch schlecht bezahlt, verheizt und konfrontiert mit ihresgleichen. Die müssen ihre eigene Schichtangehörigen verprügeln. Ich hoffe deren Dilemma ist ersichtlich.

Es ist der blanke Zorn, die extreme Wut, Wut auf ein Sytem, was Ihnen etwas vorgaukelt, dass schon Lange in Schieflage hängt. Chancengleichkeit. De facto wird die propagiert, besteht aber nur abstrakt in den Politsprechblasen. Chancen haben nur diejenigen, die ihr Rückrat aufgeben, die sich wie Sklaven behandeln lassen und gefälligst das Maul halten. Anpassung, Herdenverhalten und Schweigen sind im Übrigen die Konstanten, ohne die Gesinnungsdiktaturen wie der Nationalsoziallismus und der Stalinismus nicht möglich gewesen wären. Ideologische Konflikte werden unterdrückt, was zählt ist die unbedingte Meinungsführerschaft,  mithilfe von Lügen, Manipulationen und dogmatischer Störrigkeit. Ralf Dahrendorf hat mal gesagt, dass nur durch Konflikte gesellschaftlicher Wandel möglich ist, denn Konflikte haben progressiven Charakter. Ja herrgott, wie soll man aber einen Konflikt austragen, wenn unsere Kanzleröse ständig von Alternativlosigkeit faselt? Natürlich gibt es Alternativen, sie werden nur nicht gern gehört. Stattdessen werden alle, die etwas mehr Solidarität, Dialogbereitschaft und den Erhalt des Sozialstaates befürworten, als verblendete Kommunisten gelabelt. Dass das „alternativlose“ System gerade gegen die Wand fährt, wird ausgeblendet, denn die Pfründe der Begünstigten sind gesichert. Ich frage mich aber, was das für ein Leben sein soll, wenn sie, falls es so weiter geht, hinter Stracheldraht und Mauern abgeschottet leben müssen, weil der Pöbel aufmuckt. Dann haben sie genau das nicht, was sie angeblich immer wollen, ihre „Freiheit“. Man muss nur nach Brasilien schauen, wo z.B. Zahnärzte so wohnen.

In einer brennenden, wütenden Welt möchte ich nicht wohnen. Die bestimmt auch nicht. Aber die mangelnde Reflektion, warum diese aktuellen Ereignisse eintreten, wird letztendlich dazu führen. Es sei denn, man besinnt sich auch mal darauf, mit wem man da auf einem Planeten wohnt. Wer eigentlich für deren Reichtum und Wohlstand sorgt und wer ihn verteidigen muss. Es sind auch Menschen.

Menschen, die keine FDP wählen.

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