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Archive for März 2011

Vielleicht erinnert sich noch jemand an meine Ode an die Heimat. Nun fiel mir dieser Tage ein Buch in die Hände. Naja, eigentlich wollte ich bei Lehmanns nur meine Zeit überbrücken, während meine Holde bei DM  ihren Spiegelschrank wieder reichhaltig bestücken konnte. Wie gesagt, ich stöberte am Bestseller-Regal, um mal zu schauen, was der Michel denn da so auf dem Nachtschrank zu liegen hat. Das Cover des Objektes, was mir dann auffiel, erinnert zwar eher an einen Reisebericht in die Tropen (wegen dem Hut), aber das Schaf auf dem Arm des Autors machte diesen Gedanken absurd. „Geschichten aus der arschlochfreien Zone“ im Untertitel weckten dann mein Interesse. Wo liegt das denn, dachte ich mir? Ich will auch da hin. Und griff zu.

Schon beim Lesen des Klappentextes wurde mir dann klar: Ich muss da nicht hin, ich bin ja schon da. Der Schweizer Dieter Moor (den ich bereits kannte) schrieb ein Buch über seine neue Wahlheimat, die er mit seiner österreichischen Frau Sonja quasi „ins Blaue“ bezog . Brandenburg. Nein, er schrieb kein Buch, er schrieb einen 275-Seiten starken Liebesbrief. Und da alles, was meine Heimat betrifft, irgendwo meine melancholische Ader triggert, erwischte ich mich während des Lesens ständig beim Lächeln, Glucksen und ja, auch eine halbe Träne drückte sich durchs Knopfloch.

Nach 2 Tagen hatte ich das Werk durchdrungen, die Nachwehen wirken immer noch, und deshalb diese Buchempfehlung. Im Prinzip kann man alle handelnden und beschriebenen Personen fast 1:1 in jede brandenburgische Ecke setzen, es gibt sie überall. Jedes Dorf hat seinen Teddy, seine Frau Widdel, seinen Bauer Müsebeck, seinen Krüpki und seine Schwester Alma. Auch Gestalten wie „der Eingemauerte“, der westdeutsche Banker und Schlossbesitzer (treffend von der Dorfgemeinschaft als „Raubritter“ bezeichnet) und der intellektuelle Schönemann, der aus dem Dorfkonsum die einzige „Die Zeit“ bezog. Das Problem kenn ich übrigens, wenn man hier an der Tankstelle nicht rechtzeitig kommt, isse weg. Wenn sie überhaupt mal da ist.

Auch die Problematik von Zappelorgien gehirnamputierter Techno-Jüngern auf alten Flugplätzen, Nazi-Besuche beim Feuerwehrfest und Rudelbildung mit braunen Flaschen am Konsum sind vom Autor aufgrund eigener Erlebnisse akribisch analysiert worden. Ereignisse also, die in keiner Dorfchronik brandenburger Art fehlen.

Sein kontrollbesessenes, neurotisches schweizer-Über-Ich greift ab und zu nochmal den begeisterten Zugezogenen an, verschwindet aber schnell verschämt im Nirvana. Schliesslich wird Dieter Moor durch die Person „des Eingemauerten“ mit dieser pingelige Nervensägenart konfrontiert. Und erkennt, dass es nicht hier her passt. In diese Landschaft der ehrlichen Schnauze und deren Menschen, die nichts darstellen, sondern einfach so sind. Direkt, authentisch und geradeaus. Und offen allen gegenüber, die das erkennen und einhalten.

Wer mehr über den Werdegang der erfolgreichen Einlebung erfahren will und was die Beiden da leisten, sollte hier mal schauen:

http://www.modelldorf-hirschfelde.de/

 

Ich könnte jetzt noch weiter begeistert sein, aber belasse es dabei. Soll sich jeder selber Das Werk zu Gemüte führen.

Hier das Cover zur Orientierung im Fachhandel.

 

 

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Während sich der Muselmane gern gen Himmel bombt, um sich in die lüsternen Hände eines unbefleckten Harems zu begeben, treibt der Christ gar sonderbare Spielchen. Er betet für den Tod derjenigen, die ihn ja angeblich vor dem rückständigen Ziegenbauern beschützen.

Das muss man sich mal vorstellen. Da ziehen stramme Burschen ins Feld, geschickt von frömmelnden Texas-Rangern um dem Turbanträger mal anständig den Bart zu stutzen, und eine Gruppierung radikaler Bibelhansel freut sich, wenn diese Gotteskrieger im Zinksarg zurückkommen. Nun, der Anlass zur gemeinschaftlichen Störung der Totenruhe erscheint auf den ersten Blick marginal, aber in einem Land, dass sich Freiheit auf die Fahne schreibt, ist Homosexualität nunmal unartig, schliesslich läuft das der Reproduktionsintention der göttlichen Sexualität zuwider. Gott hat Sex erfunden, damit man damit Kinder macht. Basta. Und wer das nicht einsieht, bzw. gleichgeschlechtlichen Bindungsdrang befürwortet, wird in die Hölle gevaterunsert. Nun, das das kann ja jedes verirrte Hirn für sich im stillen Kämmerlein betreiben, aber diese lustigen Gestalten:

nehmen eben stellvertretend den Soldaten in Sippenhaft. Schliesslich steuert Gott selbstverständlich auch Gewehrkugeln. Dabei sollte es nicht stören, dass öffentlichkeitswirksam ein urchristliches Ritual geopfert wird, die friedliche Bestattung. Opportunismus hoch 10.

Ich weiß nicht wo diese und andere religiöse Entblödung hinführt, aber eins ist sicher. Sollte ich mich nach dem Dahinscheiden tatsächlich vor der Tür von deren Chef wiederfinden, trete ich ihm vors Schienbein, weil er sowas zulässt. Und dann schnappe ich mir einen Engel und mache ihn aus reiner Boshaftigkeit schwul. Kann man doch, schliesslich liegt das ja an der Erziehung. Sagen seine Erdenjünger. Den Himmel homosexualisieren, damit Radikalchristen später in eine Rosaplüschwelt tauchen und mit Lederkappenträgern und „YMCA-Karaoke“ ihr Dieseits fristen müssen.

Was für eine Genugtuung.

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Er hats getan. Nach langem, entsetzlichen Leiden, hat unser Bundesrücktrittsverweigerungsminister heute seine Desertierung  bei der Bildzeitung eingereicht. Was lange währt, wird endlich gut(t); mag man sich da denken, aber die Begleitumstände seiner Rückkehr ins Schloss sind als “ widerliche Inszenierung“ noch wohlwollend beschrieben. Wieder schiebt er den Tod von 3 Soldaten vor, um auf Hausmütterchens Tränendrüse zu drücken, und ein Häppchen Märtyrerstatus zu erhaschen. Was hat denn sein Betrug mit dem Berufsrisiko von Kampftruppen zu tun? Urban Priol hat es vor kurzem sehr gut beschrieben, wie ein Baron früher abtreten musste: „Damals wusste der Adel, was bei einem Fehlverhalten zu tun ist.“

Nun, ich denke das würde zu weit gehen, aber wenn jemand ständig mit Werten wie Anstand, Moral und Größe kokettiert, dann verdient er in diesem Fall mehr als Häme. Nämlich die volle Breitseite. Ohne Rücksicht. Die hätte man ja walten lassen können, wenn er sich sofort zurückgezogen hätte, aber nein, ein Politguru darf ja nicht einfach so flüchten. Schon gar nicht, weil er mal ein bissel abgeschrieben hat. So zumindest die Argumentation von Bürgern, die eine Universität und deren Regularien aus amerikanischen Campusslapstick-Filmen kennen, die den akademischen Betrieb für eine Elfenbeinturmveranstaltung von realitätsfernen Sesselfurzern halten und deren Idol „Dr. Bob“ aus dem Dschungelcamp ist. Übrigens ein Rettungssanitäter. Da stellt sich mir grad die Frage, was man bei einer Matheaufgabe in Klausuren eigentlich plagiieren kann? Trotzdem hat jeder dieser Gutti-Claqueure seinen Senf abgegeben, und auf eine Verschwörung linkslastiger Kräfte geschimpft und eine einberufene Parlamentsdebatte zum Thema als Kindergarten bezeichnet. Wenn man sowas öfter anschaut, weiß man, dass dieses gegenseitige Anfeinden üblich ist. Seit Bestehen des Bundestages. Und ich wüsste nicht, was schlimm daran ist, einen uneinsichtigen Betrüger Betrüger zu nennen. Die Faktenresistenz dieser adelshörigen Fanboys erstaunt dann doch. Und da ein beliebter Einwurf der genannten Jüngerschar: „als ob wir keine anderen Probleme in Deutschland hätten“, war, muss ich dem sogar zustimmen.

Und an diese Adresse gerichtet brülle ich voller Insbrunst: „Natürlich! Nämlich Euch!“.

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